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Kunsttherapie Drucken E-Mail

In der Kunsttherapie bietet sich die Möglichkeit, Eingefahrenes und Alltägliches hinter sich zu lassen, um sich Raum für Entdeckungen, kreative Entfaltung und neuen Selbstausdruck zu schaffen. In diesem Freiraum ist Entwicklung und Wandlung möglich. Verbindungen zum eigenen Leben und Erleben ergeben sich in Bildern. Der kreative Umgang mit Formen und Farben hilft den Kindern und Jugendlichen, Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein zu entwickeln und im Gestaltungsprozess Gefühle zu erleben und Erfahrungen zu machen, die sie bisher nicht zulassen konnten.

 

Bildstörung - ein interaktives Kunstprojekt

Bildstörung – ein interaktives Zukunftsprojekt zwischen Studenten und Jugendlichen über Sichtweisen, Einsichten und Perspektiven“.

In den Jahren 2009 bis 2011wurde eine Kooperation zwischen der Fachhochschule Ottersberg und der Clemens-August-Jugendklinik organisiert, mit dem Ziel, Studierende der Kunsttherapie und psychisch erkrankte Jugendliche gemeinsame neue Erfahrungen in künstlerischen Prozessen machen zu lassen. Initiiert und durchgeführt wurde das Projekt von Prof. Peter Sinapius PhD und dem Kunsttherapeuten Martin Böhm, begeleitet und unterstützt vom Chefarzt der Klinik Dr. med. Andreas Romberg.

Projektbeschreibung:

Jeweils eine Gruppe von 6 Studierenden traf eine Gruppe von 6 Jugendlichen in den Räumen und auf dem Gelände der Jugendklinik. Diese arbeiteten in ko-kreativer Weise, also als gleichberechtigte Partner. Eine Begegnung auf Augenhöhe wurde durch eine gemeinsame Themenfindung, Gestaltung und Präsentation möglich. Es nahmen immer andere Jugendliche an den Projekten teil. Hierdurch wurden sehr viele PatientInnen erreicht. Auch die Studierenden wechselten. Resonanzen, Eindrücke und Assoziationen wurden in den folgenden Tagen erhoben. Die Studierenden schrieben Berichte mit den Jugendlichen wurden Interviews geführt. Ein Austausch fand durch E-mails statt.

Die Ergebnisse des Projektes waren für alle Beteiligten in vielerlei Hinsicht überraschend und bemerkenswert: Sowohl die Jugendlichen als auch die Studierenden konnten eingefahrene Sichtweisen und Verhaltensmuster verlassen und entwickelten in ihrer Zusammenarbeit ein erstaunliches kreatives Potential. Die sich entwickelnden ästhetischen Prozesse stärkten ihr Autonomiegefühl, ihre Selbstwahrnehmung und ihr Selbstbewusstsein. Diese Beobachtungen wurden durch die Interviews und Berichte evaluiert und verifiziert.

Das Innovative des Projektes besteht darin, dass Jugendliche ungefähr gleichen Alters, die an unterschiedlichen Stellen ihrer individuellen Entwicklung stehen, mit ästhetischen Mitteln in den Austausch treten. Die ästhetischen Prozesse werden dabei so initiiert, dass eine „intermodale Dezentrierung“ stattfinden kann. Ein Thema, eine gemeinsame Idee dient als Ausgangspunkt, die ästhetischen Mittel und Prozesse dienen als „Möglichkeitsraum“, in dem sich Neues in kreativen Prozessen entwickeln kann. Dabei wirkt sich das künstlerische Studium der Studierenden als Modell aus, an dem sich die psychisch erkrankten Jugendlichen ohne Bevormundungsgefühl orientieren und stabilisieren können. Das gemeinsame bildnerische Gestalten eröffnet neue Perspektiven außerhalb gewohnter Strukturen und stört und erweitert in vielfacher Hinsicht eingefahrene Sichtweisen, Ansichten und Handlungsmuster.

Kooperation mit der Fachhochschule Ottersberg

Am 12. Februar 2010 war es endlich soweit. Die seit langem verabredete und vom Kunsttherapeuten Martin Böhm initiierte und vorbereitete Kooperation zwischen der Jugendklinik und der Fachhochschule in Ottersberg nahm künstlerische Formen an.

Sechs Studentinnen der Fachrichtung Kunsttherapie und ihr Professor Peter Sinapius erkundeten neugierig die Klinik. Ihr Blick war nicht auf statistische Werte gerichtet sondern auf die Atmosphären, auf das was zu sehen, riechen, hören und zu fühlen ist. Und was können Künstlerinnen besser, als diese Wahrnehmungen in Bildern darzustellen?

Auf blütenweißem Papier entstanden viele bunte Inseln, genau so wie das bunte Leben in weißen Klinikräumen erlebt wurde. Chefarzt Dr. Romberg zeigte sich in der folgenden Diskussion sehr interessiert an der innovativen Erforschung der Klinik und äußerte viele kreative Ideen zur atmosphärischen Verbesserung.

Die von Professor Sinapius angeleitete gemeinsame künstlerische Arbeit von Studentinnen und Jugendlichen der Klinik war der Höhepunkt des Tages. In drei Untergruppen wurde gemalt, plastiziert und Theater gespielt und die Ergebnisse in einer abschließenden Präsentation vorgestellt. Seitens der Hochschule wurde die Kooperation als eine neue Möglichkeit gesehen, für die Studierenden Praxisfelder zu eröffnen. Sie wird auch in Zukunft mit immer variierenden künstlerischen Ansätzen fortgeführt.

„Bildstörung - Malerei“

Am Donnerstag den 12.8.2010 um 14:30 wurde in den Schaufenstern des ehemaligen Schuhgeschäftes Kramer die Ausstellung „Bildstörung" eröffnet. Sie wird noch bis zum 9.9.2010 in der großen Straße 20 in Neuenkirchen zu sehen sein. Studierende und Patientinnen der Klinik gestalteten zusammen die Exponate. Die gemeinsamen Erfahrungen werden in Texten aus Interviews und Gedichten zum Ausdruck gebracht. Weitere Informationen finden Sie auf dieser Seite weiter unten und natürlich im Schaufenster.

Bei der Eröffnung waren zwei jugendliche Künstlerinnen anwesend, das Ehepaar Kramer, Chefarzt Dr. med Andreas Romberg, die Studentin und Praktikantin der Kunsttherapie Pia Wördehoff, sowie der Kunsttherapeut Martin Böhm.

„Bildstörung - Kunst-Spiel mit der Natur“

Zum dritten Mal trafen sich zum Kooperationsprojekt „Bildstörung" zwischen der Jugendklinik und der Fachhochschule Ottersberg 6 Jugendliche und 6 Studentinnen, um gemeinsam zu entdecken und zu gestalten. „Kunst-Spiel mit der Natur" war das Thema am 1. Oktober. Gemeinsam machte sich die Gruppe auf den Weg, um die Natur wahr zu nehmen, Naturmaterialien aber auch Geräusche, Gerüche und Erfahrungen zu sammeln.

Hierdurch angeregt wurde mit den Elementen der Natur gespielt und erste gestalterische Erfahrungen in der Großgruppe gemacht. Orte in der Natur, der lichte Wald, die Wiese am Waldrand oder das tiefe Dickicht gaben den Rahmen und das Thema für die Kleingruppengestaltungen in der Tradition der „land-art". Zu einem intensiven Austausch der jugendlichen Künstler und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik kam es im Rahmen einer Präsentation am folgenden Tag. Ein von der Natur bereits zerstörtes Kunstwerk konnte von allen Beteiligten tatkräftig rekonstruiert werden.

Begleitet wurde dieses Projekt auch wieder vom Institut für Kunsttherapie und Forschung. Die Studierenden schrieben Berichte über ihr Erleben, die Jugendlichen sowie die Betrachter wurden im Hinblick auf ihre Erfahrungen und Assoziationen interviewt. Über die gesamte Laufzeit des Projektes ergeben sich dadurch qualitative Aspekte, die die Wirksamkeit von Kunst und Kunsttherapie im therapeutischen Kontext belegen sollen.

„Bildstörung - Theatertag“

Zu einem Theatertag im Rahmen des Projektes „Bildstörung“, trafen sich am 11. Februar 6 Studierende und 6 Jugendliche, um gemeinsam auf der Bühne zu experimentieren, erstmalig unter Beteiligung des Studienganges „Theater im Sozialen“ der Fachhochschule Ottersberg.

In spielerischer Weise führte der Dozent für Schauspiel Christian Bohdal die Theatergruppe mit „Pappnasen“ auf die Bühne. Die ersten „steckten gleich ihre Nase überall hinein“, andere „führten sich gegenseitig an der Nase herum“, bis schließlich alle „die Nase oben trugen“. Gemeinsam mit der Pädagogin Nadine Nitsche und dem Kunsttherapeuten Martin Böhm wurde die Gruppe angeregt, neue Rollen zu erproben und spontane Szenen zu entwickeln. Die Teilnehmerinnen fühlten sich wie Supermann, Ärztin, Reporter oder feine Dame und konnten in unbekannten Rollen wie Lehrer, Rentner oder Psychologe völlig neue Erfahrungen machen.

Christian Bohdal fasste den Tag zusammen:
„Besonders eindrucksvoll war für mich die im Projekt zwar intendierte aber nicht unbedingt selbstverständliche gemeinsame Ebene in der szenischen Arbeit die keinerlei Unterschiede in Spielfreude, Ausdrucksfähigkeit und Präsenz aufwies.
Die Überwindung festgelegter Rollenklischees innerhalb der Spielebene war ein inspirierendes Erlebnis, das auch durch den Chefarzt Herrn Dr. Romberg hervorgehoben wurde. Alles in allem ein voller Erfolg.“

„Bildstörung - Performance/Installation“

Die Grundelemente der Musik, Rhythmus, Klang und Melodie waren beim Projekttag „Bildstörung“ am 10.Juni die Ausgangspunkte für die bildnerischen Gestaltungen.

Die 8 Studentinnen und 8 Jugendlichen entwickelten gemeinsam auf der Grundlage rhythmischer Bewegungen Klangteppiche, zu denen melodische, lautmalerische und schließlich textliche Fragmente entwickelt wurden. Hieraus ergaben sich die Themen für die 4 Untergruppen: „Blümchen-Peng“, „Birnenblume“, „Blubli-Terikano“ oder „clockclockclockedidingdongpingpingpeng“

Diese ungewöhnlichen Titel ließen Raum für frische Bildideen. Für die entstehenden Installationen wurden schon zu Beginn der Schaffensphase außergewöhnliche Orte gesucht an denen zum Abschluss des Tages die einzelnen Gruppen ihre Kunstwerke präsentierten.

Weitere Informationen finden Sie auf

www.kunsttherapieforschung.de

www.fh-ottersberg.de